Diversifikation – wer streut, rutscht nicht


Neulich hatte ich ein Gespräch mit dem Banker meines Vertrauens. Wir kamen nach Abschluß des eigentlichen Themas kurz auf Aktien. Es war eher die Smalltalk-Ebene, denn ich treffe meine Wertpapierentscheidungen generell ohne Beratung seitens meiner Bank. Mein Berater verwendete die humorige Formulierung: „Wer streut, rutscht nicht“ und spielte damit auf die Notwendigkeit der Diversifizierung an. Doch ist diese wirklich notwendig und sinnvoll?

Die Idee der Diversifikation

Nehmen wir einmal an, Sie kaufen eine Aktie und es kommt zu einem Rücksetzer oder gar zu einem Crash. Der Wert verliert dabei 50%. Um diesen Verlust auch nur wieder aufzuholen, müßte der Wert anschließend um 100% steigen. Haben Sie dagegen 10 Werte im Depot und einer fällt um 50%, dann hat das gesamte Depot nur 5% verloren. Diesen Verlust holen Sie mit 5,3% Wachstum wieder auf.

Gleichzeitig führt Bodo Schäfer aus, daß man eine höhere Chance hat, eine starke Wachstumsaktie, also eine Aktie, die sich nach dem Kauf vielleicht verzehnfacht, ins Depot zu bekommen, einfach weil man mehrere Kandidaten kauft. Er nennt das die Chance auf den Hauptgewinner.

Diversifikation in der Praxis

Generell gilt: Wer wenig Zeit für seine Geldanlagen aufbringen kann oder will, sollte eine gewisse Diversifikation betreiben. Das sollte man allerdings nicht blind tun: Nur weil man fünf verschiedene Aktien kauft, ist das Depot nicht automatisch diversifiziert. Selbst wenn man Aktien- und Rentenfonds diverser Regionen mischt, bewegen sich die Kurse dieser Anlagen oft erstaunlich ähnlich. Beim Crash 2008 hätte die Diversifikation mir persönlich jedenfalls nicht geholfen, weil alle Positionen gleichzeitig fielen.

Aber warum ist Diversifizierung so wirkungslos? Es würde den Rahmen dieser Ausführungen sprengen, dies detailliert zu behandeln, daher seien nur zwei Punkte kurz angerissen:

Die Märkte werden – nicht zuletzt durch das Internet – immer globaler. Es ist heute auch für den Privatanleger kein Problem mehr, Aktien anderer Kontinente online zu handeln. So ist die Chance nicht schlecht, daß man z.B. Japaner findet, die exakt die gleichen Aktien im Depot haben wie man selbst. Gleichzeitig wird die Wirtschaft globaler und die Branchen verzahnter. Dadurch bewegen sich Aktien verschiedener Branchen oder Regionen oft sehr ähnlich.

Zum zweiten gehen Fondsmanager im allgemeinen wenig persönliche Risiken ein und kaufen das, was alle kaufen. Solange sie nicht schlechter sind als ihr Index, ist ihr Job relativ sicher. Anreize für überdurchschnittliche Renditen gibt es hingegen eher nicht. Dadurch laufen auch viele Fonds mehr oder weniger gleich.

Eine echte Diversifikation erhält man eigentlich nur, wenn man über die grundlegenden Anlageformen streut: Immobilien, Wertpapiere, eigene Geschäfte, Rohstoffe. Aber da vielen das Geld fehlt, bleibt man ausschließlich bei Wertpapieren, bestenfalls kommt noch ein Rohstoffzertifikat hinzu (wobei man echte Streuung nur mit physischen Rohstoffen, z.B. Goldbarren, erreicht).

Eine Warnung sei außerdem angebracht: Streut man zu weit, hat man also zu viele Positionen im Depot, kann es leicht vorkommen, daß man Verluste macht, weil man den Überblick verliert und versäumt, Gewinne mitzunehmen oder bei Verlustpositionen rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Mehr als fünf bis sieben Positionen kann der durchschnittliche Privatanleger im allgemeinen nicht mehr sinnvoll überwachen.

Und was ist mit dem Hauptgewinner?

Nehmen wir an, Sie haben eine Aktie gekauft, die sich anschließend verdreifacht hat. Nehmen wir weiter an, Sie hätten 10.000 Euro angelegt und in zehn Positionen gestreut. Dabei entfallen 1000 Euro auf unseren Hauptgewinner, der auf 3000 Euro wächst. Wenn alle anderen Werte sich im Schnitt nicht verändert haben, ist Ihr Depot nun um 30% auf 13.000 Euro gestiegen. Zweifellos ein gutes Ergebnis, allerdings längst nicht so spektakulär wie der Einzelwert. Die Streuung dämpft eben auch die Gewinne, nicht nur die Verluste.

Was kann man tun?

Wenn Sie anlegen, tun Sie das, was Sie bei hohen Risiken sonst auch tun: Kaufen Sie sich eine sinnvolle Versicherung. Mit Optionen – das ist die Versicherung des Wertpapiermarktes – können Sie Ihr Risiko in erstaunlicher Weise senken.

Details hierzu würden leicht mehrere Artikel füllen, an dieser Stelle nur soviel: Sie sollten bei Optionen genau wissen, was Sie tun.

Zusammenfassung

Während ich mir kurz im Winter den Eisläufer vorstelle, dem jemand eine Schaufel Sand unter die Kufen wirft, schaue ich mir noch einmal die obigen Ausführungen an und komme zum Ergebnis: Wer streut, rutscht nicht. Aber im Extremfall fällt er direkt und heftig auf die Nase.

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